Der Gahlensche Kohlenweg:
Kunststraße wird Straße der Kunst

Vom Wandel einer Transporttrasse der Frühindustrialisierung zur Kunstachse der Gegenwart.

An Ruhr, Lippe und Emscher vollzieht sich seit vielen Jahren mit zahlreichen Projekten der landschaftliche Strukturwandel: Neue Nutzung von alten Häfen, Umgestaltung von Halden, Solares Wohnen und die Rekultivierung alter Obstsorten.

„Der Gahlensche Kohlenweg – Kunststraße wird Straße der Kunst“ ist ein Gemeinschaftsprojekt für die Kulturhauptstadt 2010 von 5 Kunstvereinen* entlang des Routenverlaufs der historischen Transporttrasse von Hattingen über Bochum, Herne und Gelsenkirchen bis nach Dorsten an der Lippe. Mit Kunst an markanten Positionen im öffentlichen Raum wird der Gahlensche Kohlenweg  zur Straße der Kunst und vermittelt exemplarisch den Wandel des Ruhrgebiets von der Industrialisierung zur Kulturmetropole.

Der Regionalverband Ruhr hat dazu ganz frisch die Karte

„Gahlenscher Kohlenweg – Eine Kunststraße wird Straße der Kunst“

herausgegeben. Sie zeigt sowohl die historischen Sehenswürdigkeiten als auch die Kunstmarken entlang der ersten Süd-Nord-Erschließung der Region auf.  Ingesamt setzen die beteiligten Künstlerinnen und Künstler 12 Kunstmarken entlang des Gahlenschen Kohlenwegs.

Die neue Karte ist erhältlich

  • bei der stadtinfo Dorsten, Recklinghäuser Str. 20 (02362/30 80 80
  • auf Hof Dalhaus, Achterfeld 61 in Altendorf-Ulfkotte (02362/2 23 33)
  • im Buchhandel
  • oder kann direkt im Online-Shop des RVR bestellt werden: www.shop.metropoleruhr.de
  • oder hier als Download im PDF-Format

Der Gahlensche Kohlenweg bzw. Märkische Damm zeugt von einer Bergbaugeschichte, die bis in die Zeit der Frühindustrialisierung zurück reicht. 1766-1769 als befestigter Fuhrweg angelegt, verlief er über eine Länge von 40 km in Süd-Nord-Richtung durch die Grafschaft Mark: von den Bochumer, Weitmarer und Stiepeler Höhen über Crange und Buer bis zum Hafen nach Gahlen an der Lippe.

Der Holzmangel in den Regionen des Niederrheins hatte die Nachfrage nach dem Energielieferanten Kohle derart verstärkt, dass ein geeigneter Weg für den Transport bis zur Verschiffung erschlossen wurde.


Kohlhaus in Gahlen

1767 wird am Endpunkt des Gahlenschen Kohlenwegs das Kohlhaus errichtet. Es dient bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts als Zwischenlager für die Steinkohle, die nun auf Maultieren und Fuhrwerken in Säcken und Fässern hierher transportiert wird. Außerdem dient es preußischen Beamten als Dienstwohnung, denn das Monopolrecht für den Verkauf der Ruhrsteinkohlen liegt bis 1787 beim Preußischen Staat.

1915, beim Bau des Lippe-Seiten-Kanals, wird die Lippe etwa 500 Meter nach Norden verlegt. Der Abriss des Kohlhauses kann da zwar noch verhindert werden - 1972 jedoch, bei der Erweiterung des Kanals, der heute Wesel-Datteln-Kanal heißt, muss es weichen. Erhalten ist das ehemalige Inschriftfragment unter dem Türbalken (Übersetzung): „In Europas Friedensjahr 1767 unter König Friedrich d. Großen bin ich durch F. Wauters, Architekten einer preußischen Provinz erbaut worden“

Mit dem Bau der Eisenbahnlinien Mitte des 19. Jahrhunderts verliert der Gahlensche Kohlenweg zwar seine ursprüngliche Bedeutung, existiert aber nach vielen Um- und Ausbauphasen im 19. und 20. Jahrhundert bis heute als Verkehrsstraße weiter, u.a. in Teilen der B 226 und B 224.

Im Kulturhauptstadtjahr 2010 erinnern Werke zeitgenössischer Kunst an die vor 250 Jahren erschlossene Kunststraße und machen ihn wieder im öffentlichen Raum bewusst. Die künstlerischen Positionen ermöglichen neue Formen der Wahrnehmung und bereichern den Dialog von Historie und Gegenwart.


Die durch den Kunstverein Virtuell-Visuell e.V. realisierte Skulptur „Dorsten I IV/ 2008“ von Hermann J Kassel - eine 4,10 Meter hohe Stele aus Stahl und Kohle - assoziiert sowohl im Material selbst als auch mit der Positionierung am ehemaligen Kohlhaus die Verbindung zum Gahlenschen Kohlenweg.




Kirsten und Peter Kaiser
Schwarzes Gold am Recklinghäuser Tor

Der Betonkubus am Recklinghäuser Tor bot der Künstlerin Kirsten Kaiser einen surrealen Moment, den sie fast wie eine Hommage an „Das Pyrenäen Schloss“ von Magritte wortwörtlich träumte:

Ein 3,50 x 2,00 m großer künstlicher schwarzer Kohlebrocken ist in den Kubus eingehängt. Auf ihm thront eine goldene Industrie-Silhouette. Bei Dunkelheit wird der schwarze Stein mit Weißlicht angestrahlt – der Kubus hingegen erscheint durch amberfarbene up- und Down-Lights warmgoldig. Schwarz und Gold erhöhen sich gegenseitig. Die Skulptur veranschaulicht die Wichtigkeit, die die Kohle für die Entwicklung der Region hatte.

Der „Stein“ ist aus Kunststoff gefertigt, so dass er ohne Statik-Probleme angebracht werden kann. Die Fläche innerhalb des Kubus ist auch mit der Installation nutzbar. Die Höhe bietet zusätzlich Schutz vor Vandalismus..



Ruhr-Kulturgarten auf Hof Dalhaus

53 vergessene, doch einst geschätzte Apfelsorten gedeihen hier wieder als Symbol für die Gemeinschaft des Ruhrgebiets – für jede der 53 Gemeinden ein Apfelbaum. Die ca. 2 ha große Streuobstwiese ist im Umriss des Ruhrgebiets angelegt – die Bäume stehen darin getreu der geografischen Lage der Gemeinden. Kultur und Landschaft begegnen sich durch Ausstellungen, Lesungen und Musik. Achterfeld 61a, Stadtteil Altendorf-Ulfkotte.


Graffiti in der Patersgasse –
nah am Gahlenschen Kohlenweg in Dorsten

Seit Jahren wurde die lange Seitenwand des ipe-Gebäudes zur Patersgasse hin durch Geschmiere verunziert. Dieses permanente Ärgernis wandelte sich schließlich zu der kreativen Idee, professionellen Graffiti-Künstlern die Fläche zur Verfügung zu stellen.











Für die mehr als 40 Meter lange Wand entwarfen 7 erfahrende Sprayer, die aus unterschiedlichsten Bereichen kommen, ihre Teamarbeit „STADTBILD“

Rookie Robert Matzke
(Illustrator aus Münster)
White Marcel Goesmann
(Malermeister aus Dortmund
HerrOrm HerrOrm
(Künstler und Grafiker
aus Dortmund)
Shedster David Schmitz
(Grafiker aus Essen)
Karlkleckerklotz Julian Sonntag
(Kommunikationsdesigner
aus Recklinghausen)
Made on earth Rene Breuing
(europaweiter Graffiti-Maler
aus Marl)
Shizl Simon Thon
(Ergotherapeut aus Wuppertal

Die Vielfältigkeit ihrer Bilder zeigt den Zusammenhang zu der Vielfältigkeit des Stadtlebens auf. Von schwungvollen Buchstaben zu voll konstruierbaren Lettern, die das hektische Treiben symbolisieren: Straßenmusikanten, Geschäftsleute, die ihren Hund spazieren führen und Pärchen, die in der Stadt flanieren.

Sie alle malen seit über zehn Jahren und waren schon an vielen Projekten beteiligt. In ihrer Referenzenliste stehen Firmen wie die Deutsche Telekom, En de Mol Entertainment, die Deutsche Post und Deutsche Bahn aber auch Galerien und Städte wie z.B. Dortmund, Essen oder Münster. Und seit dem 5. Juli 2009 nun auch ipe in Dorsten.

Herzlichen Dank an Detlef Bernhardt, Geschäftsführer ipe, der nicht nur die Fläche zur Verfügung stellte sondern auch die Materialkosten übernahm. Alle Graffiti-Künstler haben in diesem Falle auf ein Honorar verzichtet. Auch Ihnen an dieser Stelle noch einmal sehr herzlichen Dank!

Eröffnungsveranstaltung am So., 17. April 2010, ab 18 Uhr,
Platz der Deutschen Einheit, 46282 Dorsten


www.gahlenscher-kohlenweg.de
www.virtuellvisuell.de