Angekommen!?
Warum?
Um diese Migrationsbewegung, die für die Existenz jüdischer Gemeinden über die 1990er Jahre hinaus grundlegend wichtig war und ist, besser verstehen zu können, sollen die Motive und Erfahrungen von Menschen aus verschiedenen Generationen und Regionen erforscht werden. Die aufnehmende Gesellschaft der Bundesrepublik muss auch die Erinnerung der Zugewanderten zur Kenntnis nehmen – und diese in ihre Geschichtskultur integrieren. Ein völlig verändertes Judentum in Deutschland, wie es zu erwarten steht, wird auch die Mehrheitsgesellschaft mit verändern, weil die hergebrachte kulturell-politische Arbeitsteilung mit den jüdischen Gemeinschaften nicht unverändert bleiben kann.
Was will das Projekt „Angekommen!?“ erreichen?
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Die Kulturhauptstadtbewerbung hat das Thema „Migration“ und die historische Heterogenität des Ruhrgebiets stark akzentuiert; für die Geschichts- und Museumsszene ist dies mit dem Schwerpunkt „Hin und Her“ noch einmal von den wichtigsten Akteuren bekräftigt worden.
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Die atemberaubenden Veränderungen – vor allem in den Gemeinden – sollen der breiten Öffentlichkeit verdeutlicht werden: z.B. die rasante Steigerung der Mitgliederzahlen (1989 bis 2006 vervierfacht, z.T. verzwanzigfacht), die Präsenz anderer jüdischer Identitäten mit ganz anderen europäischen Erfahrungen, das Erstarken verschiedener religiöser Strömungen, ein neues jüdisches Kulturleben, absehbare Auswirkungen auf Erinnerungskultur Deutschlands
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An den lebensgeschichtlichen Beispielen kann ein noch wenig begriffener Prozess (warum verließen die jüdischen Einwanderer überhaupt ihre Heimat? und warum kamen sie nach Deutschland?) mit „historischen“ Folgen (es entstehen wider Erwarten lebensfähige jüdische Gemeinden in Deutschland, nicht nur in den traditionellen jüdischen Zentren, sondern auch in den Städten und Regionen des Ruhrgebiets) begreifbar gemacht werden.
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Die Bedeutung einer kulturellen Repräsentation von Migranten und Migrationsgeschichte auch in Museen beginnt sich langsam herumzusprechen – erste Modellausstellungen und Pläne für ein Migrationsmuseum verdeutlichen dies. Wir wollen die quantitativ nicht zentrale, aber für das Selbstverständnis der „neuen Bundesrepublik“ wichtige Frage der jüdischen Einwanderung in dieser Debatte stärker hervorheben.
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Angesichts der oft schwierigen Prozesse des „Ankommens“ – gerade in Fragen des Berufs für die erste Generation der Eingewanderten recht krisenhaft – brauchen wir neue Formen der politischen und gesellschaftlichen Anerkennung der Leistungen der Übergesiedelten ; die geplante Ausstellung kann ein Element davon sein.
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Grundwissen über den (weltanschaulichen, beruflichen, sozialen, generationellen und geografischen) Pluralismus der Herkünfte und Lebenswege ist wichtig, um die Einwanderer/innen nicht bloß als Kollektiv wahrzunehmen, sondern sie auch als Individuen kennen zu lernen und verstehen zu können.
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Lebensgeschichtliche Interviews bieten außerdem die Chance, auch die individuellen Verarbeitungsprozesse des Erfahrenen in der Herkunftsregion und in Deutschland erkennbar zu machen.
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In den jüdischen Gemeinden entsteht eine ganz neue Diaspora-Gruppe in Deutschland – mit komplizierten historisch gewachsenen Identitäten, mit Bindungen „hier“ im Ruhrgebiet und „dort“ (in der ehemaligen Heimat). Diese sollen durch Ausstellung, Begleitprogramm und möglichst auch weitere Medien verständlicher gemacht werden.
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Die Forschungslage zu unserem Thema ist insgesamt schlecht. Wenige Untersuchungen zur jüdischen Einwanderung wurden in den 1990er Jahren erstellt. Die Situation des Ruhrgebiets, in dessen jüdischen Gemeinschaften winzige, unmittelbar vor der Auflösung stehende Gemeinden Immigrantinnen und Immigranten in einer weit ungünstigeren Relation aufzunehmen und zu integrieren haben als in den jüdischen „Metropolen“ München, Frankfurt oder Berlin, ist noch gar nicht in den Blick der Forschung geraten: Mit dem bereits seit einigen Jahren absehbar werdenden „Auslaufen“ dieser Zuwanderung haben die jüdischen Gemeinschaften ein labiles Gleichgewicht erreicht; auch über ihre Zukunftsaussichten können die Gespräche vermutlich Aufschlüsse bieten.


Arbeitsschritte
In einem ersten Schritt führen wir seit Ende 2008 eine Interviewreihe durch, die 24 exemplarische Lebensgeschichten erfasst und dokumentiert. Diese Interviews werden von unserer Projektmitarbeiterin, der Historikerin Dr. Svetlana Jebrak, geführt und später ausgewertet sowie gemeinsam mit dem Museumsteam in eine Ausstellung umgesetzt
Leider arbeiten wir mit sehr begrenzten Mitteln. Erste Priorität hat für uns die Umsetzung in eine Wanderausstellung (mit kulturellem Begleitprogramm), die im Jahr der Kulturhauptstadt, ab März 2010, präsentiert wird. Diese Ausstellung wird als Wanderausstellung konzipiert, so dass eine mittelfristige Nutzung durch andere Kultureinrichtungen, jüdische Gemeinden und andere Gruppen möglich ist.
Außerdem ist eine Umsetzung in eine populärwissenschaftliche Publikation und in didaktische Materialien für schulische und außerschulische Bildungsarbeit vorgesehen.
Mit der Erstpräsentation in Dorsten werden wir ein reichhaltiges Kulturprogramm verbinden, in dem einige der kulturellen Leistungen der Eingewanderten sichtbar werden sollen.
Bei der Realisierung setzen wir auf die Zusammenarbeit mit jüdischen Gemeinden und Kulturvereinen, jüdischen Künstler/innen und Ensembles, weiteren Kultureinrichtungen (VHS, Bibliotheken ...) und anderen interessierten Gruppen wie z.B. den Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit. ... zurück
Jüdisches Museum Westfalen
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